Hamburger Abendblatt vom 11.10.2016

Bauwerk des Jahres 2015

"Ewiges Einerlei" beim Wohnungsbau

Architekten- und Ingenieurverein würdigt wegweisende Neubauten – dabei ist kein einziges Wohngebäude.
Die Auszeichnung gilt als der wohl älteste Preis der Baubranche in Hamburg: Mit dem Titel „Bauwerk des Jahres“ würdigt seit 1979 bereits der Architekten- und Ingenieurverein (AIV) die aus seiner Sicht wegweisenden Neubauten eines Jahrgangs in der Stadt und hatte seinerzeit diese Aufgabe schon von der früheren Baubehörde übernommen. Heute Abend wird diese Würdigung für 2015 fertiggestellte Projekte mit der markanten und begehrten bronzenen Fassadenplakette wieder vergeben – diesmal an das Veranstaltungszentrum Zinnschmelze in Barmbek, an das Gymnasium Hoheluft und an den Kunst- und Mediencampus Finkenau.

Auffallend dabei: Obwohl Hamburg die Schlagzahl beim Neubau von Wohnungen deutlich erhöht hat und gut 10.000 neue Wohnungen pro Jahr schaffen will, ist bei den von der Jury ausgewählten Neubauten kein einziges Wohngebäude dabei – so wie in den vergangenen beiden Jahren auch schon: „Das ist uns auch aufgefallen“, sagt AIV-Vorstandsmitglied Mathias Hein. Aber obwohl die Jury explizit nach herausragenden Beispielen dieser Kategorie gesucht habe, sei kein Kandidat dabei gewesen, der habe überzeugen können, sagt Hein. Weder aus städtebaulicher Sicht, noch als Beispiel eines technisch besonders innovativen Gebäudes. „Wir werden das jetzt zum Anlass nehmen, die Debatte für mehr Qualität im Wohnungsbau in die Öffentlichkeit zu tragen“, kündigte Hein an.

Grund für diesen Mangel an herausragenden Beispielen „in Zeiten des Massenwohnbaus“ sei die allgemeine Uniformität der neuen Gebäude, vermutet AIV-Mitglied Hein. Mit anderen Worten: Zwar wird überall in der Stadt gebaut, aber überall auch ziemlich gleich. Von einem „ewigen Einerlei“ spricht Hein und sieht als eigentliche Ursache den großen Markt-Druck, unter dem Ingenieure und Architekten oft stünden. „Da gilt es, angesichts der Kosten die vorhandene Fläche möglichst ganz auszunutzen.“ Und das mache man eben mit den gleichen Mitteln.

Der bereits 1859 gegründete Verein AIV steht in der Branche mit dieser Kritik im Übrigen nicht allein. So hatte kürzlich auch die Präsidentin der Hamburgischen Architektenkammer, Karin Loosen, vor einer „monotonen“ Quartiersarchitektur in Hamburg gewarnt. Von den drei prämierten „Bauwerken des Jahres“ sind diesmal zwar keine neuen Wohngebäude dabei – aber gleich zwei Beispiele, wo die Planer an eine historische Bebauung angeknüpft haben. (…)

zurück

Postanschrift

Architekten- und
Ingenieurverein
Hamburg e.V.

Johannisbollwerk 6-8
20459 Hamburg

Kommunikation

Tel: 040 36 41 41
Fax: 040 36 11 27
E-Mail: info[at]aivhh.de

Geschäftszeiten

Montag bis Donnerstag
9.00–13.00 | 13.30–17.00
Freitag
9.00–13.00 | 13.30–16.00
nach oben