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Bauwerk des Jahres 2016

UKE Baumhaus (Sonderpreis Architekturkonzept)

 
Projekt:
UKE Baumhaus (Sonderpreis Architekturkonzept)
Bauherr:
Universitätsklinikum ​Hamburg-Eppendorf, Hamburg
Architekt:
Klinik Facility Management Eppendorf GmbH, Hamburg
Tragwerksplanung:
Wetzel & von Seht Ingenieurbüro für Bauwesen, Hamburg
 
„Nachnutzung", „Flächenverdichtung", „Konversionsfläche", „Nachhaltigkeit": Begriffe, die häufig Projektentwicklungen prägen und vielleicht auch manchmal das Projekt selber dominieren.
Ganz leise und smart kommt dagegen das hier zu prämierende Bauwerk daher. Versteckt zwischen Baumwipfeln und doch zentral in der Nähe des Haupteingangs des UKE gegenüber dem Eppendorfer Park gelegen, finden wir ein kleines Appartementhaus von ca. 200 m2 geschickt platziert in knapp 7,5 m Höhe auf einem alten Bunker aus dem 2. Weltkrieg. Es wirkt völlig unaufgeregt am Rande der riesigen, hoch technisierten Medizintrakte des UKE. Und doch hat es als Rückzugsort für stark geforderte und besorgte Familien von herzkranken Kindern eine überproportional hohe Bedeutung. Inmitten einer eher kühlen, professionellen Umgebung, in der für persönliche Belange wenig Spielraum bleibt, ist im vergangenen Jahr ein kleines, u. E. beachtenswertes Bauwerk entstanden. Wissend, vielleicht aber auch eher fühlend, dass dieses Bauwerk des Jahres 2016 nicht zwingend in großen Architekturzeitschriften auftauchen wird, haben wir uns dem Haus auf dem Bunker vorsichtig genähert:

Zu Beginn stand der nur mühsam im Finanzkonstrukt eines Universitätsklinikums und mitten in einer der teuersten Städte Deutschlands unterzubringende Bedarf, Familien und Geschwisterkindern schwer erkrankter Kinder eine Übernachtungs- und Erholungsmöglichkeit zu bieten. Kurze Wege zum Herzzentrum sollten es sein, trotzdem raus aus dem Krankenhausalltag, um wieder die Kraft zu schöpfen, die die kleinen Patienten so dringend brauchen.
Wer das UKE ein wenig kennt, weiß, wie knapp hier die Flächen sind und manchmal auch die Mittel. Eine Mischung aus öffentlicher Finanzierung, privaten Spenden, dem Förderverein und der Stiftung RTL stellte die finanzielle Basis für das Vorhaben dar. Die Bauabteilung des UKE detektierte in Personalunion sowohl aus Bauherr als auch als Objektplaner die untypische Brachfläche auf dem Dach des alten Rettungsbunkers, der bisher nur Nebenfunktionen übernehmen konnte und lieber abgebrochen denn erhalten werden sollte. Aber alleine der Rückbau wäre, wie bei so vielen Bunkern dieser Art – in Hamburg gibt es über 700 ähnliche Bauwerke-, ein kostspieliges Unterfangen gewesen. Jetzt bietet sich eine sehr geeignete Verwendung, bei der der Bunker ohne eigenes Zutun als Unterkonstruktion mit Fundament gute Dienste leisten konnte, an.
Obwohl der gut 80 Jahre alte Bunker nun wieder seiner ursprünglichen Schutzfunktion nachkommen kann, wählten die Planer bewusst eine Entkopplung des modernen Solitärs von seiner alt gedienten Unterkonstruktion. Die lichtdurchflutete, minimalistisch im Design gehaltene Box mit außen liegendem Tragwerk beherbergt drei große Familienzimmer, eine multifunktionale Gemeinschaftsfläche und ein Büro für die Organisation und persönliche Betreuung. Alle Räume verfügen über tolle Balkone vor den Zimmern, aus den Familienzimmern sogar mit Südausrichtung.
Trotz vermeintlicher Transparenz bleiben die Räumlichkeiten dem interessierten Auge derjenigen, die das Baumhaus überhaupt entdecken, jedoch verborgen. Hat man dennoch die Möglichkeit, Einblick in die Innenräume zu nehmen, fühlt man sich durch die Materialwahl geborgen und kann verschnaufen. Viel Holz schafft wirksam Ruhe und Geborgenheit vor neugierigen Blicken inmitten von Baumwipfeln des alten, unmittelbar angrenzenden Baumbestandes. Warum das Bauwerk nicht gänzlich aus Holz gebaut worden ist, kann wahrscheinlich eher aus dem Baurecht heraus beantwortet werden, der Wahrnehmung der Nutzer und des Betrachters tut dies jedoch keinen Abbruch – der Bunker hat sich unter der Last des Betons auch nicht beschwert.
Die konstruktiven Details sind auch so ansprechend konzipiert und erfreuen Augen und Sinne. Die platzsparende, barrierefreie Erschließung ist clever gelöst. Sie lädt eben nicht jeden ein und ist trotzdem sehr ansprechend.
Ein wunderbares zu Hause auf Zeit mit hoffentlich gutem Abschluss für die es nutzenden Familien prämiert der AIV Hamburg mit dem

Sonderpreis „Architekturkonzept"

aufgrund der durchaus komplexen, im Kleinen liegenden Herausforderungen für den Bauherrn und die Planer. Diese haben es gemeinsam mit den ausführenden Unternehmen in vorbildlicher Weise geschafft, in-time und in-budget das Bauwerk fertig zu stellen.
Wir verhehlen bei unserer Entscheidung nicht, dass sicherlich auch eine kleine Portion Emotion die an sich auf einer objektivierten Beurteilungsgrundlage agierende Jury des AIV bewegt hat. Doch dazu stehen wir gerne.

Dr.-Ing. Stefan Ehmann
Hamburg, 9.10.2017


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